«Der Thomas kommt»: Endlich ein neuer «Bürogeneral» für den EHC Basel
Niemand kann so scheinheilig und unschuldig tun, wenn er von Chronisten etwas gefragt wird, wie Kevin Schläpfer.
Kennen Sie Thomas Kissling?
Kevin Schläpfer: Kissling? Nein, der Name sagt mir nichts.
Der Name müsste Ihnen schon etwas sagen: Er wird Ihr neuer Chef.
Aha, ja, natürlich. Ist das jetzt offiziell?
Nein, noch nicht, dürfte es aber bald werden.
Ja, ja, das ist offenbar so. Ich kenne ihn halt nur unter seinem Vornamen. Für mich ist er einfach der Thomas. Deshalb hat mir der Name Kissling nichts gesagt.
Der neue Chef, der für Kevin Schläpfer «der Thomas» ist, übernimmt beim EHC Basel die operative Führung und damit den Posten von Olivier Schäublin, der nach 18 Jahren als Spieler und 10 Jahren als Hockey-Bürogeneral in die Privatwirtschaft wechselt. Thomas Kissling war bisher Geschäftsführer bei der Klixa-Unternehmensgruppe, die auf Dienstleistungen im IT-Support, der Systemtechnik, der Automatisierung sowie der Software-Entwicklung tätig ist.
Auf ihn wartet einer der schwierigsten Jobs im Schweizer Teamsport: Geld auftreiben für den EHC Basel, das sportliche Waisenkind der Stadt, dem soeben das Aufstiegsgesuch wegen fehlender wirtschaftlicher Konkurrenzfähigkeit verweigert worden ist. Der EHC Basel ist unter anderem das Gespött im Hockey-Business, weil er mit der Gastronomie im Stadion sechsstellig Geld verliert. Die Klubs der höchsten Liga verdienen hohe sechsstellige Beträge mit Speis und Trank.
Kevin Schläpfer ist es recht so, dass er nicht Geschäftsführer wird. Er fühlt sich fern des Büros und nahe dem Eis – also im Sport – ohnehin wohler und hat zusammen mit Trainer Eric Himelfarb eine sportliche Krise bravourös gemeistert. Für einmal war sein offiziell ausgesprochenes Vertrauen in den Trainer inkl. demonstrativer Vertragsverlängerung kein billiges Lippenbekenntnis und verdient allerhöchsten Respekt.
Er plant nun einen wichtigen Schritt: Die Emanzipation vom SC Bern. Die auslaufende Zusammenarbeitsvereinbarung mit den Bernern wird nicht mehr erneuert. Offiziell wird dieser Schritt mit der Notwendigkeit einer höheren Flexibilität begründet: Es wird nun möglich, mit allen NL-Klubs den Spieleraustausch zu pflegen, fallweise auch mit dem SCB. Der wahre Grund: Die Zusammenarbeit mit dem SCB ist einfach viel zu kompliziert und zeitraubend geworden.
Der Schritt in die Unabhängigkeit ist so oder so richtig und wichtig: Will der EHC Basel wenigstens sportlich aufstiegsfähig werden, dann braucht er ein Team, das über die ganze Saison zusammenwächst. Die ständigen Wechsel mit B-Lizenzen zu NL-Klubs schwächen das Team.
Mit dem neuen Geschäftsführer Thomas Kissling wird es wirtschaftlich auf jeden Fall besser. Ob gut genug, um mittelfristig aufstiegsfähig zu werden, wird sich zeigen. Die Zusammenarbeit mit Kevin Schläpfer wird immerhin eine formidable sein. Die beiden sind ja offenbar bereits per Du.
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